Der 11. September 2001
Anschlag auf das World Trade Center
Als am 11. September 2001 um 08:46 Uhr Ortszeit (14:46 Uhr MESZ) eine Boeing 767 der
American Airlines Flug AA 11 in den Nordturm des World
Trade Centers (WTC) in New York krachte und explodierte, dachten viele noch an einen
Unfall. Nachdem dann wenig später um 09:03 Uhr eine weitere Boeing
Flug UA 175 den Südturm der Twin Towers traf,
wurde klar, daß dies kein Zufall sein konnte. Weitere 40 Minuten später traf um 08:43 Uhr
ein drittes entführtes Flugzeug Flug AA 77
das Pentagon in Arlington, einem Vorort der US-Bundeshautstadt Washington. Ein viertes
entführtes Flugzeug Flug UA 93, das
vermutlich das Weiße Haus oder das Capitol in Washington hätte treffen sollen, stürzte
in der Nähe von Pittsburgh ab, als die Passagiere versuchten, die Terroristen zu
überwältigen, nachdem sie per Handy und Radio von den Anschlägen erfahren hatten.
AA 11 traf den Nordturm in Höhe der Stockwerke 94 bis 98, explodierte innerhalb des
Gebäudes und die getroffenen Etagen wurden dabei völlig verwüstet. Die Erschütterungen
waren so stark, daß auch mehrere Etagen über bzw. unter den getroffenen Stockwerken
stark beschädigt wurden, die drei Treppenhäuser wurden zwischen der 91. und 92. Etage
von Trümmern blockiert. Wer Einschlag und Explosion noch überlebt hatte, war jetzt in
mehr als 350 Metern Höhe gefangen. Viele versuchten, das Dach zu erreichen, doch die
einzige Verbindungstür war verriegelt und ließ sich nicht öffnen. Auch von oben kam
keine Hilfe, weil auf dem Dach keine Landung per Hubschrauber möglich war. Die starke
Rauchentwicklung zwang die Gefangenen dazu, die Fenster einzuschlagen, um nicht ersticken
zu müssen. Immer wieder sprangen verzweifelte Menschen -einzeln oder auch zu mehreren
sich an den Händen haltend oder umarmend- aus den Fenstern. Unterhalb der Blockade im
Treppenhaus strömten die Menschen nach unten, um das Gebäude zu verlassen.
Nur wenige Minuten, nach dem AA 11 den Nordturm in Brand gesetzt hatte, rückten die ersten
Einheiten der New Yorker Berufsfeuerwehr an und richteten im Erdgeschoß des Turmes ihre
Einsatzzentrale ein. Mit dabei war auch ein Kamerateam, das schon seit Wochen dabei war,
einen Dokumentarfilm über einen der Feuerwehrmänner zu drehen. So entstanden durch puren
Zufall die einzigen Filmaufnahmen vom Einschlag des ersten Flugzeuges in den Nordturm und
von den Rettungsarbeiten im Inneren des World Trade Center. Einige Teile dieses immerhin
dreistündigen Videos wurden auch in den Fernsehberichten über den Anschlag gezeigt,
musikalisch untermalt mit dem dadurch weltbekannt gewordenen Titel Only Time
von Enya.
Als die Menschen im Südturm erfuhren, daß der Nordturm getroffen war und brannte, machten
sich viele auf den Weg nach unten, doch weil vom Nordturm aus immer wieder Trümmer auf den
Vorplatz des Centers fielen, wurden sie von den Sicherheitskräften zurück in ihre Büros
geschickt, weil es dort sicherer sei. Wer ahnte schon, daß schon eine zweite fliegende
Bombe unterwegs war und den Südturm treffen sollte? In der
Sky Lobby im 78 Stockwerk, in der sich eine Umsteigestation zum Expresslift befand,
herrschte deshalb ein großes Gedränge. Die einen wollten rauf, die anderen runter und die
Aufzüge waren voll belegt, als das zweite Flugzeug um 09:03 Uhr den Südturm ansteuerte und
in Schräglage die Stockwerke 78 bis 84 traf und zerstörte. Die meisten Personen innerhalb
dieser Stockwerke sterben sofort, nur wenige von ihnen überleben die ersten Sekunden und
können sich noch in Sicherheit bringen. Von den vielen Menschen, die gerade noch im
Gedränge der Sky Lobby standen, konnten nur noch zwölf das Gebäude lebend verlassen.
Aber auch aus den Stockwerken über der Einschlagstelle im Südturm können sich noch einige
Personen in Sicherheit bringen, denn hier war noch eine Treppe erhalten geblieben.
Zwischen den Etagen 76 und 82 führte nur eine der drei Treppen direkt durch den
Gebäudekern, von den beiden Treppen außerhalb des Kerns wurde nur eine zerstört. Die andere
lag, von der Einschlagstelle aus betrachtet, auf der Rückseite des Turmes und wurde nicht
so stark verschüttet wie die anderen. Diese Treppe überbrückte alle zerstörten Etagen, doch
nur 12 Personen aus der Lobby und sechs weitere aus darüberliegenden Etagen nahmen diesen
Weg und retteten sich. Einige standen sogar schon auf den Stufen nach unten, aber weil die
Sicht an dieser Stelle durch Rauchschwaden und aufgewirbelten Staub beeinträchtigt war,
hielten sie es für sicherer, nach oben zu gehen und auf einen Hubschrauber zu warten, denn
schon beim Anschlag von 1993, als eine in der Tiefgarage des Nordturmes gezündete Autobombe
das Gebäude erschütterte (6 Tote, über 1000 Verletzte), wurden viele Gebäudeinsassen mit
Hubschraubern vom Dach evakuiert. Die Besucherplattform auf dem Südturm wurde aber täglich
erst um 09:30 Uhr geöffnet und war demzufolge noch verschlossen, als Flug UA 175 den Turm
traf. So vergaben viele Menschen ihre letzte Möglichkeit, den Turm lebend zu verlassen.
Viele von ihnen hatten noch telefonischen Kontakt zu ihren Familien,
Freunden und den Rettungsdiensten und hofften auf baldige Rettung, bis um 10:05 Uhr der
südliche Turm in sich zusammenfiel und innerhalb weniger Sekunden über 600 Eingeschlossene
und viele Helfer zermalmte.
Eine riesige Staubwolke fegte durch Manhatten, Helfer,
Anwohner und Passanten rannten um ihr Leben. Nun wurde den im Nordturm verbliebenen
Managern, Büroangestellten und Besuchern der Firmen im WTC bewußt, daß auch sie ein
solches Ende nehmen würden. Viele von ihnen flohen nach oben, doch die Tür zum Dach war
verschlossen, einige machten sich an den Fenstern bemerkbar, andere
sprangen in ihrer Verzweifelung -einzeln oder auch zu mehreren sich an den Händen haltend
oder umarmend- in die Tiefe, bis auch dieser Gebäudeteil um 10:28 Uhr Ortszeit einstürzte
und fast alles Leben in über hundert Metern Umkreis vernichtete. Millionen Fernsehzuschauer
in aller Welt sahen fassungslos zu, als diese schrecklichen Szenen von vielen Sendern live
übertragen und danach permanent wiederholt wurden. Insgesamt kamen im Nordturm 1428
Menschen ums Leben, allein 1344 von ihnen befanden sich oberhalb der 91. Etage und starben
entweder schon in den ersten Momenten durch den Einschlag, sprangen in den Tod oder wurden
beim Kollaps des Turmes getötet.
Noch ehe sich der Staub gelegt hatte, begann in dem riesigen Trümmerfeld eine tagelange
Suche nach Überlebenden der Katastrophe. Nur ein knappes Dutzend Verschüttete, zumeist
Rettungskräfte, die noch im Wegrennen von herabfallenden Trümmern verschüttet
wurden, konnte lebend aus dem riesigen Schutthaufen am "Ground Zero" geborgen werden.
Fast alle Menschen, die sich in, auf oder unmittelbar an den Gebäuden aufgehalten hatten
wurden von den einstürzenden Stahl- und Betonmassen bis zur Unkenntlichkeit zermalmt
und konnten nur noch anhand von DNA-Tests identifiziert werden. Auch benachbarte Büro-
und Geschäftshäuser sowie Wohn- und Hotelanlagen am Ground Zero wurden von riesigen
Trümmerteilen getroffen und zerstört, auch hier wurden Menschen zu Opfern.
Nachdem Staub und Rauch die Sicht auf den Ort des Geschehens freigegeben hatten,
wurde ein Bild des Grauens sichtbar. Ein unvorstellbares Chaos aus Betonteilen,
verbogenen Stahlträgern, zerfledderten Akten, zerquetschten Fahrzeugen, verkohlten
Flugzeugteilen und Staub, jede Menge Staub, der ganze Straßenzüge mehrere Zentimeter
hoch bedeckte. Doch der schlimmste Anblick waren die zerfetzten Leichenteile, die nun
von den aus der ganzen Stadt herbeigeeilten freiwilligen Helfern zur Identifizierung
zusammengetragen werden mußten, eine notwendige Arbeit, die viele an den Rand ihrer
seelischen Belastbarkeit brachte.
Tagelang schwelten noch kleine Brände in dem über fünf Stockwerke aufragenden Trümmerberg,
auf dem zunächst die von Suchhunden unterstützten Rettungskräfte jeden Stein einzeln
umdrehten, um nur keinen Verschütteten auch noch durch die Bergungsarbeiten zu gefährden.
Doch ihr Erfolg war niederschmetternd gering, denn innerhalb des einstürzenden Gebäudes
hatte niemand eine Chance. Vergeblich standen Hunderte New Yorker mit Fotos ihrer vermißten
Angehörigen am Rand der errichteten Sperrzone am Ground Zero und hofften auf Lebenszeichen.
Nach einer Woche erfolglosen Suchens wurde aus der Rettungsaktion auch
formal eine Bergungsaktion, da nun jede Hoffnung, noch Überlebende zu finden, aufgegeben
wurde. Da sich während der
Hauptgeschäftszeiten oft mehr als 50.000 Personen innerhalb des WTC aufhielten, wurde
zunächst mit über 10.000 Opfern gerechnet, doch offensichtlich waren zum Zeitpunkt des
Anschlags noch nicht alle Angestellten an ihren Arbeitsplätzen und auch die Touristen, die
täglich zu tausenden auf die Aussichtsplattform stömten, waren vor neun Uhr wohl noch beim
Frühstück.
Insgesamt wurden nach dem Anschlag auf die Zwillingstürme des WTC etwa 2900 Personen
vermißt, darunter etwa 300 Feuerwehrleute und 90 Polizisten. Nur die Hälfte von ihnen
konnte anhand von Fingerabdrücken, Zahnbildern oder DNA-Proben identifiziert werden,
bis die forensischen Identifizierungsarbeiten Anfang Juli 2002 eingestellt werden mußten.
Weitere 500 Menschen starben beim Anschlag auf das Pentagon und dem Absturz bei Pittsburgh.
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© Text, Skizzen: D. Bornemann; Coverscans: Amazon.de
Letztes Update: 01.01.1970,01:00
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