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Der 11. September 2001

Der Anführer: Osama Bin Laden


Nur wenige Stunden nach den schrecklichen Anschlägen auf New York und Washington hatten die USA schon einen Mann im Verdacht, für diese Taten direkt oder zumindest indirekt verantwortlich zu sein: Osama Bin Laden

Bin Laden (in anderen Schreibweisen auch Usama bin Ladin oder ibn Ladin) ist mutmaßlicher Gründer und Kopf der paramilitärischen Terror-Organisation al-Quaida, die für mehrere Bombenattentate verantwortlich gemacht wird. Al-Quaida (auch Al Kaida oder El Kaida) soll für die Anschläge auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam im August 1998 mit 224 Toten und mehr als 4.500 Verletzten verantwortlich sein und auch im Jahr 2000 die Attacke mit einem sprengstoffgefüllten Kamikaze-Schlauchboot auf das US-Kriegsschiff Cole im Hafen von Aden durchgeführt haben, bei dem 17 US-Matrosen starben. Außerdem werden noch zahlreiche andere Anschläge, vornehmlich auf amerikanische Einrichtungen, auf das Konto der al-Quaida angerechnet.

Geboren wurde Osama um 1956 in Riad als 17. Kind des jemenitisch-arabischen Bauunternehmers Muhammad Bin Laden, der durch gute Beziehungen zur saudischen Königsfamilie ein Quasi-Monopol im Bau- und Transportsektor Saudi-Arabiens aufbaute und dadurch zu einem stattlichen Vermögen von mehreren Milliarden Euro kam. Osama wuchs also nicht gerade in ärmlichen Verhältnissen auf, er erhielt eine gute Schulbildung, studierte und machte sein Diplom als Bauingenieur. Während dieser Zeit soll er sich in den Kreisen der arabischen High-Society bewegt haben, auch die Vergnügungsviertel von Beirut und anderer Mittelmeerstädte soll er gut gekannt haben. Der Wandel zum Glaubensfanatiker scheint erst nach dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan erfolgt zu sein. Er begann zunächst, die Afghanen humanitär zu unterstützen, später besorgte er auch Waffen für die Mudschahedin, die sich den Kommunisten widersetzten. Auf diese Weise wurde er zu einer Art arabischem "Robin Hood", was ihm enorme Popularität bei seinen Glaubensbrüdern in Afhganistan und anderswo einbrachte. Überall in der Welt warb er Freiwillige an, die er in eigenen Lagern zu Freiheitskämpfern ausbildete, um mit seiner so geschaffenen Privatarmee die Mudschahedin zu unterstützen. Dabei soll er auch immense finanzielle materielle und personelle Hilfe von den USA erhalten haben, denn während des Kalten Krieges war jeder Feind Rußlands ein willkommener Freund Amerikas.

Nach dem Abzug der Sowjets begannen die verschiedenen Mudschahedin-Stämme, sich gegenseitig zu bekämpfen, und Bin Laden mischte dabei kräftig mit. Mit der Zeit festigte sich die Macht der Taliban, einer islamistischen Splittergruppe der Mudschahedin, die einen Großteil des Landes beherrschte und in einen Gottesstaat verwandelte. Bin Laden arrangierte sich mit ihnen und konnte nun Afghanistan als Basis für seine neuen Aktivitäten benutzen. Auslöser für seinen Wandel war vermutlich der Zweite Golfkrieg, als amerikanische Truppen in Saudi-Arabien stationiert wurden, dem heiligen Land des Islam. Bin Laden war der Ansicht, daß die Befreiung Kuweits ein rein arabisches Problem sei, in das sich kein Ungläubiger einzumischen hätte. Zudem würde durch die Anwesenheit der fremden Trupen heiliger Boden entehrt. Schnell begann er seine Söldner auf das neue Ziel USA auszurichten, die Geburt der al-Quaida.

Bin Ladens Haß richtete sich nun nicht nur gegen die US-Soldaten auf arabischem Boden, sondern gegen alle Amerikaner. Dabei bediente er sich einer sehr konservativen Auslegung des Koran.

  • In seiner "Erklärung des Dschihad" von 1996 rief er zu koordinierten Bestrebungen zur Ermordung von Amerikanern auf und ermutigte andere, den amerikanischen "Feind" anzugreifen.
  • In einer 1998 von der arabischen Zeitung Al-Quds Al-Arabi veröffentlichen Erklärung äußerte er, dass Muslime Amerikaner - auch Zivilisten - töten sollten, "wo immer sie auf der Welt zu finden sind".
  • In einem Interview mit dem in arabischer Sprache sendenden Fernsehsender Al Jazeera 1999 erklärte bin Laden: "Unser Feind ... ist jeder männliche Amerikaner, ob er uns direkt bekämpft oder Steuern zahlt."
  • In zwei Fernsehinterviews 1997 und 1998 beschrieb er genau die Terroristen, die die Bombenanschläge auf den World Trade Center verübten, als Vorbilder und drängte seine Anhänger, "den Kampf nach Amerika zu bringen".

Quelle: usembassy.de



Es gilt als sicher, daß die Flugzeugentführer des 11. September 2001 enge Verbindungen zu Osama Bin Laden hatten, außerdem hatten sie auch finanzielle und logistische Unterstützung von al-Quaida oder nahestehenden Organisationen, Bin Laden muß demzufolge einen direkten Einfluß auf die Aktion gehabt haben. Auch wenn er die Aktion nicht selbst geplant haben sollte, so hat er zumindest von ihr gewußt und sie gebilligt. Grund genug für George W. Bush, ihn zum Staatsfeind Nummer Eins zu erklären und noch im September 2001 vom Taliban-Regime in Afghanistan zu fordern, Osama Bin Laden auszuliefern. Gründe hatte Bush genug:

  • Vor dem 11. September deutete bin Laden an, dass er einen Angriff auf die Vereinigten Staaten plane.
  • Im August und September wurden die Häscher bin Ladens auf der ganzen Welt ermahnt, bis zum 10. September nach Afghanistan zurückzukehren.
  • Einer der engsten Verbündeten bin Ladens wurde als Drahtzieher der detaillierten Pläne für die Anschläge vom 11. September identifiziert.
  • Von den 19 Entführern wurden mindestens drei als Mitglieder der Al Qaida identifiziert.
  • Es ist bekannt, dass mindestens ein Entführer in die Anschläge auf das Marineschiff USS Cole und die Bombenanschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania verwickelt war.
  • Bei der Rückverfolgung der Bewegungen der Entführer vor dem 11. September entdeckten die Ermittler, dass sich viele von ihnen mit den Häschern bin Ladens trafen und regelmäßig Geld und Unterstützung vom Netzwerk der AlQaida erhielten.

Quelle: usembassy.de



Wie zu erwarten war, lieferten die Taliban ihren Verbündeten Bin Laden nicht aus. Vermutlich glaubten sie, die USA würden sich an Afghanistan genauso die Zähne ausbeißen wie vor ihnen die Sowjets. Doch es dauerte nur wenige Wochen, bis die Amerikaner mit Hilfe ihrer Bomber, Raketen und Special Forces sowie der Unterstützung durch verbündete Stämme aus dem Norden Afghanistans den Kampf für sich entschieden hatten. Die Taliban und mit ihnen ein Großteil al-Quaidas wurden über das ganze Land verstreut, sie versteckten sich in Höhlen und Bergfestungen, die aber systematisch von den Amerikanern zerbombt und ausgeräuchert wurden.

Bin Ladens Spuren verloren sich dabei. Gerüchten zufolge soll er bei den Kämpfen um die Festung Tora Bora getötet worden sein, möglicherweise ist ihm aber auch die Flucht ins Ausland gelungen. Solange er jedenfalls nicht mit Gewißheit tot oder gefangen ist, wird allein sein Mythos al-Quaida am Leben erhalten und die Gefahr weiterer Anschläge bestehen bleiben. Im Moment ist er deshalb auch laut FBI der meistgesuchte Mann der Welt und mit einem stattlichen Kopfgeld von 27 Millionen US-Dollar im Nacken muß er sich seine Freunde mittlerweile sehr vorsichtig aussuchen...

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© Text, Skizzen: D. Bornemann; Coverscans: Amazon.de
Letztes Update: 01.01.1970,01:00