Der 11. September 2001
Der Kommerz
Eine unglaubliche Geschichte über Kunst, Kitsch und Klamotten
Noch ehe der Staub des zerstörten World Trade Centers sich gelegt hatte begannen
die ersten Straßenhändler damit, überteuerte USA-Flaggen und Fähnchen an die Helfer,
die Trauernden und die vielen Schaulustigen zu verkaufen. Tags darauf gab es schon
patriotische T-Shirts, Buttons, Poster und anderen Kitsch mit dem brennenden World
Trade Center oder dessen traurigen Überresten als Motiv an jeder Straßenecke
zu kaufen. Auch die entführten Flugzeuge, ihre Besatzungen und Passagiere, besonders
aber die "Helden von Flug UA 93", die den Kampf gegen ihre Entführer aufgenommen hatten,
wurden in den folgenden Tagen auf diese Weise kommerzialisiert.
Nachdem dann mit Osama Bin Laden auch ein Schuldiger ausgemacht war, wurden
Bin-Laden-Shirts, auf denen dessen Konterfei mal als Steckbrief, mal als Zielscheibe oder
als Comic-Figur dargestellt ist, zum Kassenschlager. Weitere Osama-Artikel,
Anti-Taliban-Stuff und ähnliches ließen nicht lange auf sich warten. Schlüsselanhänger,
Poster, Tassen, Münzen, Feuerzeuge... Selbstverständlich mußte auch jeder mäßig begabte
Künstler seine Trauer in Öl auf Leinwand verewigen, WTC-Kollagen aus Zeitungsschnipseln
zusammenleimen und Hochhaus- oder Flugzeug-Skulpturen aus Holz, Gips, Beton oder
Eisenschrott basteln und horrende Beträge für die grauenhaften Kunstwerke verlangen.
Natürlich fühlten sich auch viele Psychologen, Politologen, Historiker und Weltverbesserer
dazu aufgerufen, ihren Senf dazuzugeben, was zu einer unüberschaubaren Bücherschwemme
führte: über Osama, die Taliban, Afghanistan, den Islam und natürlich auch über den
amerikanischen Imperialismus und die Kriegstreiberei eines gewissen George Dabbelju Bush,
der letztendlich den Anschlag selbst initiiert haben soll, um dadurch einen Grund zu haben,
Afghanistan, Pakistan und den Irak zu besetzen. Schließlich dreht sich bei ihm alles nur
um Öl und Absatzmärkte für Coca-Cola. Es ist wirklich phantastisch, was man bei
Amazon
so alles findet.
Übertroffen wird dies aber um Längen von Ebay. Das erfolgreichste Online-Auktionshaus der
Welt ist geradezu geschaffen für die Verbreitung der WTC-Fanartikel. Wer noch kein
New-York-Basecap, Osama-Shi(r)t, Taliban-Feuerzeug und keine WTC-Gedenkmünze hat, ist dort
genau richtig. Fein säuberlich in Rubriken sortiert ist alles zu haben. Kostprobe? Hier
können Sie
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© Text: D. Bornemann; Abbildungen:
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Letztes Update: 01.01.1970,01:00

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